Von Bickelsberg nach Brixen Drucken E-Mail
Geschrieben von: Hermine Kipp   
Donnerstag, 21. Mai 2009 um 09:46 Uhr
Zwar ist von dem wohl berühmtesten Sohn Bickelsbergs, dem späteren Bischof zu Brixen Berthold von Bickelsberg in seinem Heimatort nichts mehr vorhanden, was an ihn erinnern könnte.

Klein und unscheinbar dürfte er in Bickelsberg auf dem Kleinen Heuberg um das Jahr 1365 geboren worden sein. Ein genaues Geburtsdatum konnte bei verschiedenen Recherchen nicht ausgemacht werden. Bickelsberg hatte zu dieser Zeit keine eigene Pfarrei und war der Pfarrei Leidringen (früher Lidringen genannt) zugeordnet. So kommt es, dass den Eltern des späteren Bischofs auch zeitweise der Beiname „von Lidringen“ angehängt wurde.

Überhaupt wird wohl durch den lange in der Heilig Kreuzgemeinde in Rottweil am Donnerstag und Freitag vor Gallus (16. Oktober) abgehaltenen Jahrtag „unseres herren des bischoff von brigxs und sins vatters bertholt maisters von lidringen und siner muoter margarethen der maistrinen“ auf den Namen des Bischoffs hingewiesen. Doch muß man sich hier auch ernstlich mühen, um diese Gedenktage und andere Hinweise auf den in Brixen jedoch sehr geachteten Bischof zu finden. Es spannt sich ein weiter Bogen vom Kleinen Heuberg über Rottweil bis hin nach Brixen, wo der Name des Bischofs „Bertold von Bückelsburg“ in die Geschichte einging. Doch bevor der Bischof aus dem Schwabenland in seiner fast zehnjährigen Amtszeit als Bischof für richtungsweisende Veränderungen im Bistum Brixen Voraussetzungen schaffen konnte, war er in seinem Heimatland an verschiedenen Stellen ein reger Kirchenmann. Die Familie Meister ist wohl - nach entsprechenden Recherchen- schon bald, also in Bertholds Kinderzeit, nach Rottweil umgezogen. Dort- so nehmen die Geschichtsforscher an- wird Berthold Meister wohl die Lateinschule (Gebäude des heutigen Stadtarchivs in der Engelgasse) besucht haben, bevor er Priester wurde. Doch über seine Ausbildungsstationen gibt es kaum verwertbare Angaben. Fest zu stehen scheint jedoch, dass er als Priester vom Generalvikar des Konstanzer Bischofs Burkard von Hewen am 21. Oktober 1390 auf die erledigte Pfarrei Ingoldingen bei Biberach eingewiesen wurde, wie dies in Schriften zur Geschichte der Bischöfe von Konstanz nachgewiesen wird. Patronatsherr in Ingoldingen war in dieser Zeit ein Abt Heinrich Gruwel vom Kloster St. Georgen im Schwarzwald. Der Kirchensatz der Heimatpfarrei Leidringen des jungen Berthold Meisters jedoch gehörte ebenfalls dem Kloster St. Georgen. Eine weitere Station im Leben des jungen Priesters war im Jahre 1410 und 1411 die Pfarrstelle von Stetten o.R. wie auch als Kaplan in Rottweil. Zur Herkunft und Jugend des späteren Bischofs Berthold waren ausschließlich im Rottweiler Stadtarchiv Informationen vorhanden. Erst nach dem Jahr 1412 gibt es von verschiedenen Geschichtsforschern Angaben. Im Jahre 1412 nämlich trat Berthold in das Augustinerchorherrenstift Neustift bei Brixen ein, dürfte aber wohl schon zuvor ein Kanonikat in Trient gehabt haben und stand in den Diensten des Landesfürsten Friedrich IV. von Österreich. Zwar ordnen gewisse Historiker ihm, dem Kaplan, auch die Stelle des Hof- und Küchenmeisters zu, andere bringen diese Aussage mit seinem Familiennamen „Meister“ in Verbindung. Beim Fürsten Friedrich IV. schien der Geistliche im Ordenskleid des hl. Augustinus jedoch sehr großes Ansehen zu genießen, denn schon ein Jahr später wurde er zum Probst ernannt. Auch ernannte ihn der der Herzog zu seinem Rat. In dieses Amt war er bis ins Jahr 1419 gewählt. Schon bald ließ er für kränkliche und ältere Chorherren an der Ostseite des Klosters bei der Kapelle des Heiligen Viktors ein Spital erbauen. Als Fürstbischof Ulrich im Jahre 1418 verstarb, war es Friedrich IV., der den Probst Berthold auf den Brixner Bischofstuhl erhoben hat. Die Probstei behielt er aber noch ein Jahr bei. Der Landesfürst persönlich setzte sich für die Wahl Bertholds zum Bischof von Brixen ein, nachdem sich der Landesfürst mit König Sigismund ausgesöhnt hatte und als Folge davon wieder mehr Ansehen und Gewicht in der Landesregierung verzeichnen konnte. Vom Banne befreit, konnte sich der Landesfürst also wieder kirchenpolitisch betätigen. Zwar dürfte das Domkapitel auf Empfehlung des Landesfürsten Berthold auch zum Bischof gewählt haben, jedoch gelangte Berthold erst durch die Provision von Papst Martin V. auf den Bischofsstuhl, dem wiederum durch das Konkordat mit Deutschland von 1418 bedeutende Rechte in Bezug auf die Besetzung der kirchlichen Pfründen zugestanden worden waren. Vom Papst zum Oberhirten von Brixen ernannt, wurde aber auch gleich die Entrichtung von Servitien an den Papst in Höhe von 3000 Gulden fällig. Da diese Summe dem schwäbischen Bischof in Brixen im Verhältnis zu seinen Einkünften viel zu hoch erschien, richtete er ein Gesuchsschreiben an den Papst um Ermäßigung der Servitien. Vom Papst beauftragt reiste Johann von Isina, Domdekan zu Trient, nach Brixen, um die entsprechenden Untersuchungen über die Einahmen des Stiftes Brixen anzustellen. Brixener Domherren und Verwalter standen ihm dabei zur Seite. Sie kamen zum Ergebnis, dass die Einkünfte 2751 Gulden (nach Meraner Münze) betrugen. Doch mussten davon noch acht Schlösser erhalten werden. So blieben nach den Untersuchungen 1539 Gulden übrig, wovon der Bischof seine Hofhaltung und die Bezahlung seiner Beamten aufzubringen hatte. Dem standen dann wiederum Einkünfte aus den verpfändeten bischöflichen Gütern in Höhe von 2055 Dukaten gegenüber. Der Papst ließ dem Bischof von der verlangten Summe von 3000 Gulden hundert Gulden nach, als ihm die Überprüfung der finanziellen Verhältnisse vorgelegt wurde. Von Bischof Berthold ist in verschiedenen Chroniken sein gutes Verhältnis zum Landesfürsten Friedrich IV. zu entnehmen. Er betätigte sich für das Land und seinen Fürsten auch vermittelnd zwischen ihm und verschiedenen Adelsgeschlechtern Tirols. Zu letzteren gehörte wohl auch Oswald von Wolkenstein- als Dichter bis in die Gegenwart bekannt. Für sein eigenes Bistum wiederum gewann Berthold von Bickelsberg im Jahre 1426 die seit 1388 verpfändete Herrschaft Buchenstein und Thurn an der Gader zurück. Sie wurden hernach nicht mehr zu Lehen oder Pfand ausgegeben, sondern erlangten eine eigenständige Verwaltung, die jedoch jederzeit ausgewechselt werden konnte. Doch waren es auch die religiösen Belange, die Bischof Berthold vehement verteidigte. So ist zu lesen, dass Bischof Berthold im Jahre 1419 eine Diözesansynode abgehalten hat, bei der die Durchführung der Beschlüsse des Konstanzer Konzils, sowie des Salzburger Provinzial-Konzils von 1418. Nach den Beschlüssen des Salzburger Konzils und anderen verbindlichen Statuten wurden etliche neue Vorschriften erlassen und auch streng überwacht. Die bekannteste Vorschrift dürfte dabei die Anordnung sein, dass Begräbnisse wie bisher üblich in Gebirgsgegenden von Laien vorgenommen, fortan ausschließlich von Geistlichen zu zelebrieren seien. Auch mit anderen kirchlichen Missständen räumte Bischof Berthold gründlich auf. Über geistliche Wucherer soll beispielsweise sofort der Kirchenbann verhängt werden und bei solchen aus dem Laienstand nach dreimaligem mahnen. Obwohl auch aus anderen deutschsprachigen Ländern religiös sittliche Mißstände bekannt wurden, griff Berthold in Brixen durch. Auch die Verwaltung des Heilig-Kreuz-Spitals in Brixen war in den Verruf gekommen. Der Bischof ordnete eine genaue Untersuchung an, wonach es dann zu personellen Veränderungen in der Verwaltung kam. Im Jahre 1422 wurden die Statuten des Domkapitels erneuert und erweitert. Pflichten und Rechte der Domherren im allgemeinen, speziell aber des Domdekans, Kustos und Scholastikus wurden, wie beim Chronisten Santifaller zu lesen ist, genau bestimmt. Die kirchliche Gerichtsbarkeit bekam unter Bischof Berthold von Bickelsberg wieder effektivere Züge. Doch später erwies sich der Bischof aus dem Schwabenland als ein zu großzügiger Mensch und soll etliche Besitzungen seines Bistums verschenkt haben. Die Folge davon waren offensichtlich tiefe Schulden des Hochstifts, wie sein Nachfolger Ulrich II Putsch später feststellte.

Im September des Jahres 1427 reiste der Bischof zur Taufe des Sohnes Sigismund von Landesfürst und Freund Friedrich nach Innsbruck. Wie in einer Chronik zu lesen ist, wurde er auf der Rückreise vom „ Schlagfluß“ getroffen. Er erlag der schweren Krankheit am 12. September 1427.

Der Grabstein von Bischof Berthold von Bickelsberg ist seit dem 19. Jahrhundert in der Vorhalle des Brixener Doms aufgestellt, wo auch anderer Brixener Bischöfe in Ehren gedacht werden kann.

 

Hermine Kipp

Für die Hilfsbereitschaft bei der Beschaffung von Informationsmaterial aus Schriften von Südtiroler und deutschen Chronisten sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Ebenso gilt ein herzliches Dankeschön den Geistlichen in Brixen, die bereitwillig und freundlich bei meinem Besuch an den Brixener Wirkungsstätten auf alle Fragen Auskunft gaben.

Besonders hilfreich waren die Ausführungen von Dr. Winfried Hecht aus Rottweil, sowie von Prof. Josef Gelmi, und Dr. Anselm Sparber aus Bozen bzw. Brixen

Bilder: (werden gesondert gemailt): Grabplatte des Bischof Berthold von Bickelsberg in der Vorhalle des Brixener Doms

Dom zu Brixen: Dieser birgt in seiner Vorhalle die Grabplatte des Bischofs Berthold von Bickelsberg. Der Dom in der barocken Bauweise wurde jedoch erst im 18. Jahrhundert erbaut und geweiht und trat an die Stelle eines im romanischen Baustil gehaltenen Doms.

In Neustift finden an der Ostseite der Kirche des Klosters Neustift die Priester ihre letzte Ruhestätte. Bekanntlich richtete Berthold von Bickelsberg ein Spital für ältere und kränkliche Priester ein.

 

 

Der Brixener Dom
Die Grabplatte des Bischofs
Das Bild zeigt den Friedhof der Priester beim Kloster Neustift bei Brixen.
 

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