Vor 70 Jahren knapp an der Katastrophe vorbei Drucken E-Mail
Geschrieben von: Hermine Kipp   
Montag, 20. April 2015 um 18:04 Uhr

Es sind nur noch wenige Zeitgenossen, die das Ende des zweiten Weltkrieges auf dem Kleinen Heuberg bewußt erlebt haben. Ihnen jedoch sind die Ereignisse doch deutlich in den Erinnerungen verankert. Von diesen Erinnerungen wird von den ältesten im Dorfe noch erzählt. Es war eine Zeit, die für viele Menschen schmerzvoll war. Durch die Tiefflieger verängstigt, die es zuweilen auch auf harmlose Ziele an Boden abgesehen hatten suchten, die Menschen nach Schutz und Hilfe.

In Bickelsberg standen im Gewann „Hinter den Bäumen“ drei schwere Geschütze, die auf Binsdorf gerichtet waren. Überhaupt regierte die Angst besonders auch dann, als man am 21. April 1945 die schweren Panzer und andere Fahrzeuge von weither heranrollen hörte. Nur einige „Führer-Treue“, die es auch in Bickelsberg gab.konnten in ihrer Verblendung nicht zugeben, was auch sie befürchteten.

In Bickelsberg in der Schäfergasse bangten Männer, Frauen und Kinder und suchten Schutz im Keller von Matthäus Kopf. Er, der den ersten Weltkrieg von Anfang bis zum bitteren Ende als Soldat durchmachte, war sich sehr bewußt, was der Krieg und sein Ende für Bickelsberg bedeuten konnte.

Letztlich entschlossen sich mit ihm noch der Schneider Johannes Schwenk und Karl Sessler, die weiße Fahne am Kirchturm zu hissen und so zu zeigen, daß sich der Ort dem Feinde ergab. Doch der damalige Schultes, der wohl nicht an den Untergang des Hitlerischen Reiches hlauben wollte, hielt sie vorerst noch davon ab. Nach hartem Ringen entschlossen sich die tapferen Männer doch, Ihr Vorhaben zur Tat werden zu lassen. Matthäus Kopf, der damals das Amts des Mesners in Bickelsberg ausübte sprach letztlich das Machtwort und bestieg mit den anderen den Kirchturm der Georgskirche, um die weisse Fahne (es dürfte wohl ein Leintuch gewesen sein) zu hissen. Matthäus Kopf riskierte dabei vor den Hitleranhängernsein blankes Leben und ging nicht mehr in sein Haus. Wie sein inzwischen verstorbener Sohn noch erzählte, sei der Vater aus dem Dorf in richtung Schlattbach gegangen und über die Felder in Richtung Brittheim. Dort begegnete er dem Vater des Zimmermanns Weisser. Letzterer wiederum berichtete, daß die Panzer von Bochingen her nach Brittheim kamen, und das dorf einnahmen. Ein Haus stehe schon in Flammen. Als aber die einrollenden Truppen die weisse Fahne an Bickelsbergs Kirchturm sahen, hätten sie Bickelsberg verschont.

So haben die mutigen Männer um Matthäus Kopf gegen den Willen von Hitleranhängern, wie sie auch in Bickelsberg anzutreffen waren, sich als Retter ihres Heimatdorfes erwiesen.

Hermine Kipp nach Erzählungen von Familienangehörigen und Nachbarn der Familie Kopf

 

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